Familie Abraham Moses Feldheim und Bertha geb. Stern

Die Eheleute Feldheim wurden beide im Jahre 1810 geboren: Abraham Moses am 3. Dezember in Hörde, Bertha Stern am 18. Februar in Castrop. Am 16. Dezember 1840 feierten sie Alter von 30 Jahren ihre Hochzeit.

Nur wenige Zeugnisse geben noch Hinweis auf die Anwesenheit des Abraham Moses in Hörde. 1834 kaufte er von der Königlichen Regierung in Arnsberg eine 15 Quadratruthen große Parzelle der Mühlenberg-Gärten und eine etwa gleich große Parzelle der Wiesen-Gärten. Eine Rechnung aus dem Dezember 1840 belegt, dass Abraham Moses mit Lebensmitteln handelte.

Seit 1843 lebten die Eheleute in Dortmund. Hier nahm Abraham Moses ebenso wie ein gleichfalls in Dortmund lebender Levi Moses 1846/47 den Familiennamen „Feldheim“ an.

Wo die Eheleute Feldheim ihre erste Wohnung in Dortmund hatten, ließ sich nicht mehr feststellen. Spätestens ab 1851 lautete ihre Anschrift „Petri-Kirchhof 7“. Es handelte sich um ein Wohnhaus mit Stallung nahe der Petri-Kirche. Das Grundstück, das an die Kampstraße grenzte, hatten die Eheleute als Eigentum erworben. Wegen der Nähe zur Kirche war am 8. Dezember 1851 vertraglich festgelegt worden, dass in Feldheims Haus kein Gewerbe betrieben werden durfte, das den öffentlichen Gottesdienst in der Petri-Kirche störte. Ferner durfte das Haus weder als Synagoge noch als Schule genutzt werden. Das Haus an der Ecke Petri-Kirchhof /Kampstraße war über viele Jahrzehnte der Wohnsitz der Familie Feldheim.

Abraham Moses Feldheim ging hier seinem Gewerbe als Handelsmann, Viehhändler und Metzger nach. Als gläubiger Jude hielt er sein Geschäft an hohen Feiertagen geschlossen. Darauf wies er auch durch Zeitungsanzeigen hin, wie zum Beispiel im September 1886. Hier würde ich die Anzeige zeigen, oder? Wenn Du die nicht zeigen möchtest, würde ich den Halbsatz

Abraham Moses Feldheim war Gläubiger der Eheleute Baumgardt, wohnhaft Goldstr. 5 in Dortmund. Bei der Subhastation (Zwangsversteigerung) der Immobilie Baumgardt im September 1863, wurde der seinem „Aufenthalte nach unbekannte“ Gläubiger Feldheim, „früher zu Hörde“, zu dem Versteigerungstermin per Aufruf in der Tagespresse eingeladen.

Feldheim verfügte über Grundbesitz vor den Stadtmauern, wie diverse Zeitungsinserate belegen. Im Sommer 1880 drohte er in Verzug geratenen Pächtern seiner Ländereien, „die aufstehenden Früchte durch einen Gerichtsvollzieher an der Behausung der Wwe. Ziegler am Steinernen Turm“ verkaufen zu lassen, wenn bis zu dem dafür angesetzten Termin die Pacht nicht bezahlt sein sollte. Im Februar 1885 wies er gemeinsam mit Joseph Feldheim und J. S. Jacoby daraufhin, dass „das Weiden sowie das Durchtreiben mit Schafen in unseren Weiden im Oesterholz“ strengstens untersagt war.

Im Jahre 1890 feierten die Eheleute Feldheim das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Eine notarielle Erklärung des Meyer Heymann und seiner Ehefrau Schönchen geb. Würzburger vom 25. November des Jahres hatte die Korrektheit des Datums bestätigt und das Zeugnis des Kultusbeamten Rothschild den sittlichen Lebenswandel der Eheleute bescheinigt. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen übersandte dem Oberbürgermeister Schmieding von Dortmund deshalb das Glückwünschschreiben des Königlichen Geheimen Civil-Kabinets vom 11. Dezember und die „Ehe-Jubiläumsmedaille“ mit dem Auftrag, diese durch den Kultusbeamten dem Jubelpaar aushändigen zu lassen, falls eine Feier in der Synagoge stattfinden würde. Das war aber nicht der Fall. Die Feldheims feierten bei Kühn an der Wißstraße. Dort wurde ihnen die Medaille überreicht.

Am 20. November 1892 starb der Viehhändler Abraham Moses Feldheim „nach 14tägigem Krankenlager“. Er wurde auf dem Ostfriedhof bestattet. Dort findet sich heute kein Hinweis auf sein Grab mehr. Die Witwe Bertha Feldheim geb. Stern starb infolge Altersschwäche am 3. Mai 1897 in ihrer Wohnung. Ihr Grabstein auf dem Ostfriedhof hat sich erhalten.

Klaus Winter
19.02.2022