Jakob „Tapete“ Heimann

Jakob Heimanns Berufsleben lässt sich nur anhand der Werbeinserate skizzieren, die er im Laufe der Jahre in den Tageszeitungen aufgegeben hatte, um auf sein Unternehmen aufmerksam zu machen. Das erste Inserat erschien im April 1878: Die „Dortmunder Tapeten-Manufactur“ von J. Heimann im Haus Westenhellweg 36, „neben dem früheren Ebel’schen Geschäft“ gelegen, pries ihr Lager an Tapeten und die große Auswahl an Rollos, Wachstuch, Goldleisten, Galerien und Spiegel. Erst einige Wochen später, nämlich am 24. Mai 1878 wurde die Tapeten-Manufaktur in das Firmenregister eingetragen. Jacob Heimann war der alleinige Inhaber.

Bildnachweis: links: Der 80 jährige Jacob Heimann (Dortmunder Zeitung 21 05 1931) und rechts: Zeitungsinserat (Dortmunder Zeitung 06.04.1878)

Das Angebot der Tapeten-Manufaktur wurde zügig erweitert. Im Sommer 1879 konnte man bereits außer schweren Glanztapeten und Goldtapeten auch Wachs- und Ledertücher, Kokosläufer und andere Läufer kaufen. Seit dem Dezember desselben Jahres wurde der „bewährte Luftzug-Verschließungs-Cylinder für Fenster und Türen (elastische Verbindungsstränge)“ angeboten.

Nach rund vier Jahren gab Jakob Heimann seinen Standort am Westenhellweg auf. Um den Laden zu räumen, gewährte er großzügige Rabatte. Für „Neubauten“ stellte er besondere Preisermäßigungen in Aussicht. Sein neues Geschäftslokal bezog er am 1. Mai 1882 an der Ecke Bissenkamp /Gerberstraße. Dort hielt er seine Angebotspalette im bekannten Umfang aufrecht. Im Jahre 1883 war Heimanns Tapeten-Manufaktur alleinige Vertretung für „A. Hoexter’s Kautschuck-Fussboden-Lacke“. Später wurde das Geschäft in das Haus Gerberstraße 10 am Eingang zur Brückstraße verlegt. Dort erfolgte 1893 erneut ein Ausverkauf „zu jedem Preise“ wegen Geschäftsaufgabe. „Auch ist mein Geschäft unter günstigen Zahlungsbedingungen sofort ganz zu übernehmen.“

Mehrere Jahre nach der Geschäftsaufgabe, im Februar 1897 eröffnete Jakob Heimann seine „Tapeten-Engros- und Endétail-Handlung“ neu. Das Geschäftslokal befand sich nun im Haus Königswall 2, wurde aber 1901 zum Königshof 13 verlegt. 1908 musste dann der Schlussstrich gezogen werden: J. Heimann inserierte den Verkauf eines Konkurswarenlagers aus neuen Tapeten, Borden, Farben, Lacken usw. Damit endete die Geschichte des Dortmunder Tapetenhauses.

In der Folgezeit finden sich vereinzelte Hinweise darauf, dass Jacob Heimann als Vermittler bei Immobiliengeschäften tätig war und zwar sowohl bei Hausverkäufen als auch bei der Vermietung von Wohnungen sowie als Verwalter. Doch war Heimann im Ersten Weltkrieg auch Mitbegründer der Firma Dortmunder Tapetenhaus Heimann & Rottkamp, Reinoldistraße 15.

Aus dem Privatbereich des Jacob Heimann ist bekannt, dass er im August 1878 – also wenige Monate nach der Gründung seines Unternehmens – geheiratet hatte. Seine Ehefrau war Friederike geb. Isaac aus Lennep, heute ein Ortsteil von Remscheid. Sie starb im Alter von 74 Jahren am 28. April 1927 in ihrer Wohnung im Haus Schillingstraße 2. Die Eheleute hatten mehrere Kinder, von denen einige sehr jung verstorben waren. Aus der Todesanzeige für Friederike Heimann geb. Isaac geht hervor, dass zum Zeitpunkt ihres Todes neun Enkel vorhanden waren.

Im Jahre 1931 konnte Jakob Heimann seinen 80. Geburtstag feiern. In der Lokalpresse erschien aus diesem Anlass ein kleiner Rückblick auf sein Leben. Darin hieß es, dass Heimann einst ein Tapetengeschäft gegründet hatte, dass sich großer Beliebtheit erfreut und dem Inhaber den Spitznamen „Tapete“ eingebracht hatte. Mehrere Male „haben ihm Stammtischfreunde mit der Adresse: ‚An Herrn Tapete in Dortmund‘ geschrieben und die Post hat die Sendungen zugestellt.“ Sein Stammtisch „Putzwolle“, zu dessen Mitbegründern er gehörte, traf sich im Restaurant Vogell am Anfang der Münsterstraße nahe am Burgtor. Dem Stammtisch gehörte „eine große Zahl der Dortmunder Prominenz“ an. Heimann war auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr sowie Schöffe am Dortmunder Amtsgericht.

Jacob Heimann, am 21. Mai 1852 in Unna als Sohn des Metzgers Abraham Heymann und seiner Ehefrau Lina geb. Meyer geboren, starb am 16. Februar 1932 in Dortmund. Bei der Monatsversammlung der Ortsgruppe Alt-Dortmund des Deutschen Rentnerbundes im März 1932 im Gewerbeverein wurde sein Andenken und das der weiteren in den letzten Wochen verstorbenen Mitgliedern „in üblicher Weise geehrt“.

Klaus Winter
20.06.2022