Käthe Lion

Im Jahre 1901 kam Käthe Lion nach Dortmund. Der Grund für ihren Umzug war sicherlich, dass sie hier zum 1. April 1901 eine Stelle als Lehrerin an der neugegründeten Mädchen-Mittelschule von Marie Reinders antrat. Den Hausstandsbüchern der Polizeiverwaltung ist zu entnehmen, dass sie ihre Wohnung im Haus Johannesstraße 25 nahm, in das wohl zeitgleich auch ihr Vater einzog.

Käthe Lion war die am 22. Februar 1868 in Langensalza (Thüringen) geborene Tochter und das vermutlich einzige Kind des Oberlehrers Professor Dr. Karl Theodor Lion. Der Name ihrer Mutter ist nicht bekannt; die Eltern ließen sich scheiden. Wo Käthe Lion ihre Lehramtsausbildung erhielt, konnte nicht festgestellt werden. Aufgrund ihres Alters dürfte sie vor ihrem Wechsel nach Dortmund bereits mindestens eine Stelle als Lehrerin innegehabt haben.

Kaethe-Lion-Marie-Reinders-Realschule-Ausschnitt
Bildnachweis: Käthe Lion (Marie-Reinders-Realschule Ausschnitt)

Käthe Lion war die am 22. Februar 1868 in Langensalza (Thüringen) geborene Tochter und das vermutlich einzige Kind des Oberlehrers Professor Dr. Karl Theodor Lion. Der Name ihrer Mutter ist nicht bekannt; die Eltern ließen sich scheiden. Wo Käthe Lion ihre Lehramtsausbildung erhielt, konnte nicht festgestellt werden. Aufgrund ihres Alters dürfte sie vor ihrem Wechsel nach Dortmund bereits mindestens eine Stelle als Lehrerin innegehabt haben.

Käthe Lion gehörte dem ersten Kollegium der 1901 gegründeten privaten Mädchen-Mittelschule der Marie Reinders als „wissenschaftliche Lehrerin“ an. Die Schule war zuerst im Hause Schwarze-Brüder-Str. 14 untergebracht und wurde im ersten Schuljahr von 66 Schülerinnen besucht, die von drei Lehrerinnen, einem Gesangslehrer und einer Turnlehrerin unterrichtet wurden. Käthe Lion verdiente im ersten Jahr 1.500 Mark. Bis 1907 erhöhte sich ihr Gehalt auf 1.800 Mark; das Kollegium bestand zu der Zeit bereits aus zwölf wissenschaftlichen Lehrerinnen und vier Fachlehrerinnen. Als die private Mädchen-Mittelschule in eine städtische umgewandelt wurde, wurde sie übernommen und vereidigt.

Berufsnah engagierte Käthe Lion sich am Technischen Lehrerinnenseminar, einer weiterführenden Lehrinstitution, in der die Schülerinnen zu Handarbeits-, Hauswirtschafts- und Turnlehrinnen ausgebildet wurden.

Käthe Lion war Mitglied im Naturwissenschaftlichen Verein. Ihr Name findet sich in einer 1912 veröffentlichten Mitgliederliste. 1916 hielt sie vor dem Verein einen Lichtbildervortrag über „Die Kinderstube der Tierwelt“: „In plauderndem Gesprächston, der sich dem Vortragsstoff so recht anpaßte, führte sie die zahlreichen Zuhörer zu den Brutstätten der Vögel, in die unterirdischen Gelasse der Höhlenbewohner, wanderte mit ihnen von den menschlichen Wohnungen ins Freie, in Feld und Wald und ließ zuletzt einen Einblick tun in das pulsierende Leben eines gut gepflegten Aquariums.“

Im November 1928 zeigte Käthe Lion dem Standesamt den Tod ihres Vaters an, der in ihrer Gegenwart in seiner Wohnung gestorben war.

Im Adressbuch für das Jahr 1930 wurde sie letztmals als Lehrerin bezeichnet, in späteren Ausgaben finden sich dann die Angaben „Pensionärin“ oder „Mittelschullehrerin i. R.“. Laut dem Adressbuch 1932 wohnte sie im Haus Kreuzstraße 115, im folgenden Jahr im Haus Burggrafenstraße 14 und ab 1935 im Haus Im Defdahl 175. Auch das Adressbuch für das Jahr 1941 erhält noch diesen Eintrag. Es ist gleichzeitig der letzte Hinweis, der zu Käthe Lion gefunden wurde. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

(Es gibt für sie keinen Eintrag in der Dortmunder Literatur zum Holocaust, im Gedenkbuch des Bundesarchivs, bei Arolsen Archives, der Holocaust Survivors and Victims Database des US Holocaust Memorial Museum und in der zentralen Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem.)

Klaus Winter
14.06.2022