Der jüdische Friedhof von Wickede

Eine jüdische Beisetzung in (Dortmund-) Wickede ist schon aus dem Jahre 1835 bekannt, doch gibt es keinen Hinweis darauf mehr, wo sie stattfand. Bis 1891 wurde jüdische Wickeder auf dem Friedhof in (Dortmund-) Brackel bestattet.

Der jüdische Friedhof von Wickede an der Straße Fränkischer Friedhof stammt aus dem Jahre 1891. Damals trug die östlich an ihm vorbeiführende Straße noch den Namen Bockumweg. Das 325 Quadratmeter große Grundstück hatte die jüdische Gemeinschaft von Wickede von einem ortsansässigen Bauern auf 99 Jahre gepachtet.

Die erste Beisetzung hier war die des 1856 geborenen Levy Steinweg im Jahre 1891.

Um 1900 wurde der Friedhof neu gestaltet. Der Eingang lag gegenüber dem heutigen, also an der Ostseite der Parzelle: Eine dreistufige Bruchsteintreppe führte zu einem schmiedeeisernen Tor, an dem der einzige Weg über den kleinen Friedhof begann. Über die Anzahl der Bestattungen an diesem Ort weiß man heute nichts mehr.

In der Nacht vom 10. auf den 11. September 1931 stürzten Unbekannte die Grabsteine auf zwei Kindergräbern um. Einer der Steine wurde in die Straßenböschung geworfen. Die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm ermittelte gegen Mitglieder der NSDAP wegen Friedhofsschändung.

Im Jahre 1938 wurde der Friedhof durch einen Willkürakt der Nationalsozialisten geschlossen. Unter dem Vorwand, dass benachbart gelegene Gut Schorlemmer benötige eine größere Einfahrt, wurde der Friedhof teilweise abgetragen und die Grabsteine zunächst hinter der Mauer des Gutes gelagert. Die Toten wurden zum Hauptfriedhof umgebettet. Hier erinnert ein Gedenkstein an diese Tat.

Schon 1946 wurde der ehemalige jüdische Friedhof von Wickede in eine Gedenkstätte umgewandelt. Nahe dem ehemaligen Eingang befindet sich heute ein Gedenkstein, der unter anderem besagt, dass die Anlage in den Besitz der Stadt Dortmund übergegangen und seine Pflege allen Bürgern anvertraut ist. Anstelle der verlorenen Originale wurden an diesem Erinnerungsort Ersatzsteine aufgestellt.

Klaus Winter
21.03.2022

Quellen & Literatur:

Erich Alewelt: Chronik Wickede 858-1993. Wickede in der Grafschaft Mark am Hellweg. Dortmund, 1992.
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Münster, 2016.